Hygientag 2012
LEITUNG: PROF. DR. MEHRHOLZ

1. Kompetenznetzwerk Hygiene

2. Forschungsschwerpunkt: Beatmungsentwöhnung in der Rehabilitation

3. Forschungsschwerpunkt: Elektromechanische Gangrehabilitation

4. Forschungsschwerpunkt: Elektromechanische Armrehabilitation
 



Hygienetag


Der nächste 7. Hygienetag findet am Mittwoch den 5.11.2014 wieder im Deutschen Hygienemuseum Dresden ab 9.00 Uhr statt:

Thema „Ausbruchsmanagement“ - Infoflyer (PDF)

 

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Rückblick auf den 6. Hygienetag am 06.11. 2013 im Deutschen Hygienemuseum Dresden

Am 06.11.2013 fand, nun bereits zum sechsten Mal, der Hygienetag im Martha- Fraenkel- Saal des Deutschen Hygienemuseums statt.

Das Thema der diesjährigen Veranstaltung lautete „Umsetzung von Hygieneleitlinien und Richtlinien“. Eingeladen wurden drei namhafte Referenten, Herr Prof. Dr. P. Peschel, FH Dresden, Herr Prof. Dr. L. Jatzwauk, Leiter Zentralbereich Krankenhaushygiene und Umweltschutz des Universitätsklinikums Dresden und Frau G. Höll, Fachgebietsleiterin an der Landesuntersuchungsanstalt in Dresden.

100 Personen waren der Einladung zum Hygienetag gefolgt. Neben einigen Mitarbeitern aus unserer Klinik, kamen fachinteressierte Mitarbeiter aus regionalen Alten- und Pflegeheimen, ambulanten Pflegediensten, Rehabilitationseinrichtungen und umliegenden Krankenhäusern.

Eröffnet wurde die Veranstaltung durch Herrn Prof. Dr. Mehrholz, Leiter des wissenschaftlichen Institutes der Klinik Bavaria Kreischa. Er dankte einleitend Herrn Rudolf Presl für die inzwischen 6-jährige Unterstützung der Veranstaltung. Ohne dieses persönliche Engagement wäre der Hygienetag nicht kostenfrei durchführbar.

Es folgte der Vortrag von Prof. Dr. P. Peschel zum Thema „Leit- und Richtlinien und Empfehlungen“. Dargestellt wurde die Entstehung von Hygieneempfehlungen, Richtlinien und Leitlinien am Beispiel der KRINKO am Robert Koch Institut. Detailliert erläuterte Herr Prof. Peschel die Entstehung der Leitlinien zu den Hygienemaßnahmen bei Infektionen oder Besiedelung mit multiresistenten Keimen (MRGN).  

Herr Prof. Dr. L. Jatzwauk sprach danach zum Thema „Herausforderungen der praktischen Umsetzung von Hygieneleit- und Richtlinien aus Sicht der Krankenhaushygiene“. Es war ein sehr praxisbezogener Vortrag an Beispielen von Klageansprüchen von Patienten, welche auf Hygienemängeln beruhten. Weiterhin erläuterte Prof. Jatzwauk die hygienerelevanten Probleme bei Lüftungsanlagen im Krankenhausbereich, beim Umgang mit Dienstbekleidung und beim Umgang mit multiresistenten Erregen.

Als letzte sprach Frau G. Höll zum Thema „Herausforderungen der praktischen Umsetzung von Hygieneleit- und Richtlinien aus Sicht der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen (LUA)“.
Frau Höll stellte kurz die Aufgaben der LUA vor, insbesondere die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern. Sie erläuterte die Zuständigkeiten beim Infektionsschutzgesetz, beim Medizinproduktegesetz und stellte auch ausführlicher das Infektionsschutzgesetz und die Medizinische Hygieneverordnung des Bundeslandes Sachsen vor.
Frau Höll zeigte, anhand von Begehungsfotos in verschiedenen Einrichtungen, sehr eindrucksvoll praktische Probleme bei der Umsetzung von Hygienerichtlinien.
  
Nach den Vorträgen kam es zu einer ausführlichen und interessanten Diskussion mit den Referenten und den Zuhörern.
Zusammenfassend lässt sich feststellen dass der 6. Hygienetag wieder eine gelungene, inhaltsvolle und interessante Veranstaltung zu neuen und alten Problemen in der Hygiene war.

Text: Stefan Rückriem

 

 

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Rückblick auf den 5.Hygienetag 2012
Gesundheitsministerin Clauß: „Diese Keime zeigen uns immer wieder aufs Neue, dass wir noch stärker an den Strategien gegen sie arbeiten müssen


Bereits zum 5.Mal wurde am 14.November der Hygienetag vom Wissenschaftlichen Institut der Klinik Bavaria Kreischa im Hygienemuseum in Dresden ausgerichtet. Die Aufmerksamkeit in diesem Jahr lag auf dem Thema „Hygiene in der ambulanten Patientenversorgung“. Entsprechend überdurchschnittlich besucht war die Veranstaltung. Zur Eröffnung sprach diesmal auch Gesundheitsministerin Christine Clauß. In ihrer Rede lobte Clauß die bisher erfolgten Maßnahmen zur Hygienegewährleistung in der ambulanten Patientenversorgung und betonte die Bedeutung landesweiter MRE-Netzwerke. Sie wies auf die Bedeutung des Hygienetages hin: „Diese Keime zeigen uns immer wieder aufs Neue, dass wir noch stärker an den Strategien gegen sie arbeiten müssen“.


Im ersten Vortag referierte Dr. med. Christine Geffers vom Nationalen Referenzzentrum für Surveillance von nosokomialen Infektionen (NRZ), am Institut für Hygiene und Umweltmedizin Charité-Universitätsmedizin Berlin zum Thema „Surveillance nosokomialer Infektionen“.  Sie wies dabei auf Standards und Probleme bei der Erfassung im ambulanten Bereich hin. So würden kaum Informationen zur Häufigkeit nosokomialer Infektionen im ambulanten Bereich existieren. Ausbrüche seien nur die Spitze des Eisberges. In diesem Zusammenhang unterstrich sie die Notwendigkeit eines nationalen Surveillance Systems in Hinblick einheitlicher Definitionen, bei der Nachverfolgung der Patienten (Patienten wechseln häufig zwischen verschiedenen Pflegeeinrichtungen, Rehaeinrichtungen, Arztpraxen und Akutkrankenhäusern) und der Verfügbarkeit klinischer Befunde und Labordaten.

Surveillance erfordere insbesondere geschultes  Fachpersonal, die Ausbildung sollte die Berechnung von Infektionsraten, die Erkennung von Ausbrüchen, die Aufbereitung und Feedback der Infektionsdaten und last but not least die Kontrolle der Einhaltung von Präventionsmaßnahmen beinhalten. Insgesamt gäbe es zahlreiche Probleme bei der Infektionserfassung im ambulanten Bereich. Demnach sind Krankenhäuser und Einrichtungen für ambulantes Operieren gesetzlich verpflichtet, eine Surveillance von Device-assoziierten Infektionen und postoperativen Wundinfektionen durchzuführen und entsprechend der Ergebnisse zu handeln. Über die Erfassung postoperativer Wundinfektionen hinaus bestände jedoch keine gesetzliche Verpflichtung nosokomiale Infektionen im ambulanten Bereich zu erfassen.

Geffers erläuterte abschließend das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS), ein nationales Netzwerk medizinischer Einrichtungen zur Überwachung, nosokomialer Infektionen, epidemiologisch relevante Erreger (MRSA, Clostridium difficile, etc.) und infektionsrelevanter Indikatoren (z.B. Händedesinfektionsmittel-verbrauch, Struktur- und Prozeßparameter).
Im zweiten Vortrag referierte der Gesundheitswissenschaftler und Physiotherapeut Dr. Martin Hofheinz vom  NTZ-Dresden über die hygienischen Herausforderungen in der ambulanten interdisziplinären Versorgung, so auch in der ambulanten physiotherapeutischen und ergotherapeutischen Versorgung. Er führte als Beispiel an, dass Wärme und Feuchte eine Keimvermehrung begünstigen können, wie es unter dem Einfluss von Maßnahmen der Physiotherapie vor allem bei Wasseranwendungen der Fall sei. Dennoch gäbe es diesbezüglich keine gesetzlichen Vorlagen. Es gäbe weder ein Hygieneplan für Physiotherapie noch Hygienevorschriften, die speziell auf Physiotherapien zugeschnitten seien. Die Sicherung der personellen, materiell-technischen und räumlichen Voraussetzungen lägen in der Verantwortung des Trägers bzw. dem Ermessen der jeweiligen Einrichtung. Hofheinz appellierte an die Eigenverantwortung, Hygienevorschriften dienen dem Patientenschutz und dem Schutz des Therapeuten.

Im dritten Vortrag ging Prof. Kathleen Hirsch, Leiterin der Krankenpflegeschule am Klinikum Dorothea Christiane Erxleben Quedlinburg GmbH, auf die Herausforderungen der Pflege ein. Wesentliche Problemfelder seien 1. Personal/ Ausbildung, 2. Hausärzte (z.B. mangelndes Informationsmanagement, fehlende bzw. unklare Abrechnungsmodalitäten, mangelhafte Fortführung der Eradikationstherapie, präventive Behandlung von asymptomatischen Keimträgern bislang nicht im Leistungsumfang enthalten), 3. Angehörige (fehlendes Verständnis, mangelnde Fachkompetenz, fehlende Bereitschaft, sich an entsprechenden hygienischen Maßnahmen zu beteiligen), 4. das Patientenklientel selber (Risikopatienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, hohes Alter, Dialysepflicht, mangelnde Compliance, mangelhafte Kenntnis) und 5. die Pflegeüberleitung/ Schnittstellen (unzureichende oder fehlerhafte Dokumentation, keine zeitnahe Weitergabe von Informationen, Kommunikationsprobleme zwischen stationären und ambulanten Versorgern)

Besonders wichtig sei die Ausbildung von entsprechendem Personal. Laut gesetzlicher Reglungen bestände die Notwendigkeit der verstärkte Durchsetzung krankenhaushygienischer Erfordernisse und Kontrollmaßnahmen, um die Zahl der vermeidbaren nosokomialen Infektionen mit all ihren persönlichen und gesellschaftlichen Folgen zu senken (§23 IfSG). Daraus ergäbe sich, in Abhängigkeit von der Größe und dem Risikoprofil der Einrichtung, eine entsprechende Anzahl von ausgebildetem Personal. Sie führte aus,  je höher die Anzahl der Patienten pro Pflegekraft, desto höher das Risiko von nosokomialen Infektionen. Pro Jahr gäbe es ca. 500.000 nosokomiale Infektionen in Deutschland, davon ca. 57.900 nosokomiale Infektionen auf Intensivstationen. Sie unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Personalmangels und das Problem zu wenig ausgebildeter Hygienefachkräfte. Viele pflegerische Hilfskräfte bzw. Krankenpflegehelfer/innen würden zudem im Bereich der Hygiene eine unzureichende theoretische Ausbildung aufweisen. Hirsch rechnete vor, dass bis 2020 etwa  212.000, bis 2030 sogar 328.000 Vollkräfte benötigt würden. Allein in Pflegeheimen und in ambulanten Versorgungseinrichtungen würden dann 33% der Pflegekräfte fehlen!
Als einen konkreten Lösungsansatz plädierte Hirsch neben einer konsequenten Schulung aller Beteiligten auch für die Implementierung neuer Studiengänge z.B. der Hygienefachkraft mit Bachelorabschluss. Hohe Qualifikation resp. eine hohe Akzeptanz des Abschlusses würde eine Akademisierung und Professionalisierung der Pflege fördern und zudem Schnittstellenproblematiken besser überbrücken (z.B. als Bindeglied zwischen z.B. Hausarzt und Patient mit eigener Entscheidungsbefugnis).

Im letzten Vortrag ging Annett Schindler, Hygieneinspektorin am Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge auf Herausforderungen bei der Hygiene in der ambulanten Patientenversorgung aus Sicht des Gesundheitsamtes ein. Das Referat Hygiene (Abt. Gesundheit) wacht darüber, dass Anforderungen der Hygiene und des Infektionsschutzes. eingehalten werden. Anhand zahlreicher Beispiele berichtete sie sehr anschaulich aus der Praxis bei der infektionshygienischen Überwachung von Krankenhäusern, Einrichtungen des ambulanten Operierens, Rettungsstellen sowie Alten- und Pflegeheimen.


Die Vorträge wurden mit großem Interesse verfolgt und sorgten für rege Diskussion. Die Hygienetage der Klinik Bavaria sind als erfolgreiche Veranstaltungsreihe anzusehen, die sich etabliert hat, neue Denkanstöße liefert und aktuelle Problemfelder anspricht.

Text: Andreas Frädrich